Tipps zum eigenen Heimkino

April 2020
von Roger Kessler, verantwortlich für den Automotive Bereich bei PIEGA

 

WOZU BRAUCHE ICH EIGENTLICH MEHRKANAL?

Stelle dir vor, du möchtest mitten im Film sitzen und die Handlung schon fast spüren. Um dieses «Mittendrin-Gefühl» zu erhalten, reicht es jedoch nicht aus, wenn der Ton nur von vorne kommt.

Denn während wir uns mit den Augen hauptsächlich darauf konzentrieren, was vor uns geschieht, erstellt unser Gehör einen permanenten Scan rund um uns herum. Wir orten auch von hinten kommende Geräusche präzis und reagieren unterbewusst, bevor wir darüber nachdenken (das hat viele unserer Vorfahren vor Bären gerettet ;-)). Im Kino sorgt diese Ortung von Geräuschen für das richtige Gänsehautfeeling. Wer ist noch nie zusammengezuckt, wenn in einem Horrorfilm plötzlich ein Ast hinter einem knackt? Teste es aus, indem du dir einen (Horror-) Film ohne Ton und nur mit Untertitel anschaust. Alles klar?

Im Kino ist das Mittendrin-Gefühl sehr gut zu erleben. Akustisch wird das mit mehreren Tonspuren erzeugt. Diese erlauben es, über entsprechend aufgestellte Lautsprecher den Klang im Raum zu verteilen. Deshalb spricht man auch von Raumklang oder Surround-Sound (umhüllenden Klang). Dieses Mittendrin-Gefühl gibt es auch fürs eigene Wohnzimmer und erfreut sich seit vielen Jahren grosser Beliebtheit.

Auf was soll ich bei der Anschaffung eines Heimkinos achten?

 

Zuerst einmal Folgendes: Es gibt sehr viele unterschiedliche Anwendungen und Möglichkeiten, wie du dir dein eigenes Heimkino zusammenstellst. Dies ist abhängig davon, was du erreichen möchtest bzw. was deine Vorlieben sind. Orientieren kannst du dich an der dreiteiligen Abkürzung (z.B. 5.1.2), die sich für die Lautsprecherkonfiguration etabliert hat:
Die Ziffern stehen für Folgendes:

(5): Anzahl Lautsprecher um dich herum:

  • zwei Stereo-Lautsprecher vorne
  • zusätzlich ein Center in der Mitte vor dir
  • zusätzlich zwei Lautsprecher hinter dir

(1): Anzahl Subwoofer. Meistens einer, manchmal aber auch zwei
(2): Anzahl Lautsprecher an der Decke. Ja, an der Decke!

Die Abkürzung 5.1.2 bedeutet also, dass du vorne zwei Hauptlautsprecher und ein Center zusammen mit zwei Surround Lautsprechern hinten, sowie einen Subwoofer, und zwei an der Decke hast.

 

UND WAS BRAUCHE ICH?

 

Mein Sprichwort dazu lautet: «Weniger ist manchmal mehr». Finde heraus, was du dir unter deinem eigenen Heimkino vorstellst und lasse dich von einem Spezialisten beraten. Untenstehend findest du meine Tipps, die ich für mein eigenes Heimkino angewendet habe.

Hauptlautsprecher
Am wichtigsten sind die beiden Lautsprecher vor dir. Sie befreien den Ton aus dem Fernseher geben ihm die nötige Dynamik und Breite. Damit ist schon viel an Klangqualität gewonnen. Hochwertige Standlautsprecher sind hier die erste Wahl. Mein Tipp: eher klotzen als klecksen.

Danach kommen die Lautsprecher neben bzw. hinter dir. Zusammen mit den vorderen Lautsprechern wird die Illusion erzeugt, dass beispielsweise ein Auto quer durch den Raum fährt – und du sitzt mittendrin.

In der Praxis müssen diese nicht die gleiche Dynamik wie die Hauptlautsprecher wiedergeben können. Es darf also eine Nummer kleiner sein. Ich selber habe mich für ein kleineres Modell derselben Lautsprecherreihe entschieden und mir zwei Regallautsprecher erworben.

Aufstellung
Die Lautsprecher werden idealerweise im richtigen Winkel und Abstand montiert – (siehe hier: Aufstellungsnorm nach ITU-R BS) und dagegen ist auch nichts einzuwenden. Aber das System soll sich deinen Platzverhältnissen und Wünschen anpassen. Achte beim Kauf des Surround-Receivers darauf, dass er eine Anpassung der Lautsprecherposition zulässt. Mittels Pegelkorrektur und Signalverzögerung wird das akustische Zentrum auf die Couch gerückt, auch wenn die Lautsprecher nicht ideal angeordnet sind. Ein Fachhändler kann dich dazu beraten.

Ab hier kannst du abwägen was dir wichtiger ist:

Subwoofer
Er verleiht Explosionen die richtige Grösse, lässt es also knallen – hilft aber auch eine authentische Stimmung zu erzeugen. Zum Beispiel das Grollen eines Gewitters, das in der Ferne aufzieht, wirkt erst mit einem guten Subwoofer so richtig düster.
Ein Subwoofer kann ganz einfach nachgerüstet werden, also im Zweifel erst mal ausprobieren. Dein Fachhändler wird dir sicherlich gerne einen ausleihen und dir Tipps zur Aufstellung geben.

Center
Ein Center kann ein sehr guter Problemlöser sein. Er gibt hauptsächlich die Sprache klar und präzise wieder. Zwar kannst du das System auch ohne, d.h. mit einen Phantomcenter, betreiben, allerdings leidet darunter oft die Sprachverständlichkeit. Wer also gerne Filme im Original hört und manchmal etwas Mühe hat, jedem Dialekt zu folgen, sollte unbedingt einen hochwertigen Center-Speaker ausprobieren. (Wer den Spielfilm «No Country for Old Men» kennt, weiss was ich meine).

Seitenlautsprecher
Die Integration von zusätzlichen Seitenlautsprechern verbessert nochmals das Gefühl, mittendrin zu sein, kann die Ortung der Töne stabilisieren und somit das Klangbild nochmals deutlich natürlicher machen.
Mein Tipp: Besprich die individuelle Situation und Räumlichkeit mit einem Profi, er kann dir helfen,die optimale Lösung zu finden und Fehlkäufe zu verhindern.

Deckenlautsprecher
Auch Deckenlautsprecher helfen dabei, das Klangbild zu vollenden. Dank ihnen fliegt der Hubschrauber akustisch nicht mehr durch dich hindurch, sondern wie im Film über dich hinweg! So kannst du nochmals die Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit einer Filmszene verbessern.

Um für dieses tolle Erlebnis den finanziellen und baulichen Aufwand optimal klein zu halten lohnt sich spätestens hier der Besuch eines Spezialisten, der sich täglich mit diesen Fragen befasst und dich umfassend beraten kann.

Ein sauber aufgebautes 7.2.4 System kann wirklich beeindruckend klingen und eine Menge Spass bereiten. Es steht einem guten Kino Sound in nichts nach, im Gegenteil, es kann sogar noch klarer und dynamischer klingen. Also, nichts wie her mit dem Popcorn!

MEIN TIPP AN DICH

Investiere erst mal in eine gute, solide Basis und kauf die restlichen Komponenten nach und nach zu. So musst du nicht gleich alles wieder ersetzen, wenn du ein Upgrade vornimmst.

Ich selber habe an meinen Hauptlautsprecher schon lange Freude – und sie gefallen mir auch optisch sehr gut. Style müssen sie haben, ohne geht’s nicht 😉. Zusätzlich kannst du provisorisch deine «alten» als hintere (Surround-) Lautsprecher nutzen.

By the way: Surround-Receiver haben oft in verschieden Preisklassen die gleiche Signalverarbeitung sparen aber bei der Leistung. Wenn es also nicht gleich der 20 Kilo Bolide sein soll, dann wären vielleicht aktive (Haupt-)Lautsprecher einen Gedanken Wert.

Bei weiteren Fragen kannst du gerne einen unserer Händler kontaktieren und ansonsten stehen auch wir dir unter [email protected] für Fragen zur Verfügung.

Euer Roger

Erfahre mehr über Roger

Roger stiess 2019 zum PIEGA- Team hinzu. Er lernte das Audio-Geschäft von Grund auf als Verkäufer/Installateur in einem Elektrohandel-Fachgeschäft. Anschliessend studierte er Audio- und Videotechnik in Wien und arbeitete zehn Jahre bei BMW in München, wo er Lautsprecher und Audiosysteme entwickelte. HiFi begleitet ihn auch in seiner Freizeit, denn er bastelt gerne selber leidenschaftlich an Lautsprechern herum und schaut sich mindestens 3 bis 4 Spielfilme pro Woche auf seinem Heimkino an.